Presseecho

28.12.2014 | 17:00 Uhr | WAZ - HERNE

„Herner Kreuz“ lässt die Sonne nicht untergehen

- von Malte Hemmerich  WAZ-Artikel

Weihnachtskonzert-in-der-Sonne-Herner-Kreuz
Herner Kreuz um Rainer Koslowski in der Herner Sonne.                                     Foto: Martin KerstaN

HERNE. Die Band Herner Kreuz glänzte beim traditionellenWeihnachtskonzert in der ausverkauften Kult(ur)gaststätte „Sonne“. Wohl zum letzten Mal. 

Schon um kurz nach acht wird man auf der Shamrockstraße von vollem Gitarrensound und der wiedererkennbaren Stimme von Rainer Koslowski empfangen. „Herner Kreuz“ haben pünktlich angefangen mit ihrem schon seit einigen Jahren in der „Sonne“ etablierten Konzert am zweiten Weihnachtstag. 

Und längst nicht alle Fans finden einen Platz in der Kulturgaststätte. „Ausverkauft“, heißt es am Eingang, wer Vorverkaufskarten hat, darf sich glücklich schätzen. Die Bühne, vor der sich das größtenteils 40-60-jährige Publikum tummelt, ist schlicht, Scheinwerferlicht fällt auf die fünf Musiker. Einfach und geradeaus sind auch Koslowskis Texte, ob in „Heimweh“ oder „Halt die Spur“. Mit seiner kräftig-rauen Stimme wirken die Hoffnungshymnen und Wehmutsongs authentisch aus dem Leben gegriffen und nicht konstruiert. Ein fetziger Riff steht am Anfang von „Der perfekte Tag“ über einen Zoobesuch in Gelsenkirchen, ein nervöser Basslauf kommt dazu, dann Refrain, dann Solo. Spaß machen die elementaren, einfachen Dinge, sagt der Text, und die Musik unterstützt die Aussage mit ihrer klaren Form.

Wenn er gerade nicht singt, dirigiert Koslowski die Einsätze von Gitarre und Piano, oder stellt den Keyboarder Mihaly Bukovinszki vor, der im vergangenen Jahr zur Formation hinzukam: „Ich kenne außer ihm keinen berühmteren Ungarn!“ Auch Uwe Heidenreich hat sich als „Neuer“ gut in die Besetzung eingefügt. Während Bukovinszki mit seiner experimentellen Synthie-Spielerei ein Überraschungselement in die Songs bringt, schöpft Gitarrist Holger Schmoll besonders im „Diva“-Solo die Effektpalette seiner Gitarre aus und wirft auch sonst einen satten Klang in den Raum. Bassist Jockel Hamann überzeugt mit Backgroundgesang und singt nach der Pause zwei Songs mit Reibeisenstimme. „Die goldene Meile“ über die vergangene Glanzzeit der Herner Innenstadt hat Schunkelfaktor, und auch sonst unterstützen die Zuschauer in der „Sonne“ die Musiker mit Klatschen, Rufen und Mitsingen. 

„Rainer Koslowski ist damals wie heute unschlagbar und hat wahre Entertainerqualitäten“, meint Tom Karpinski, der selbst Musiker ist. „Ein guter Abend heute, und das ist das, was zählt.“ Karpinski arbeitet selbst ab und zu in der Kneipe, deren Zukunft aus mehreren Gründen ungewiss ist. „Wäre natürlich unheimlich schön, wenn es hier weitergehen würde!“

 „Herner Kreuz“ jedenfalls widmen ihre dritte Zugabe - den Herne 3-Hit „Immer wieder aufsteh’n“ - „Sonne“-Wirt „Hotte“ Jebram. Doch es bleibt kaum Hoffnung, dass auch 2015 ein „Herner Kreuz“-Konzert in der „Sonne“ stattfindet.

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30. Juni 2014 | 00.00 Uhr | Wülfrath

Schlupkothen rockt bis Mitternacht

Die zweite Ausgabe des Schlupkothener Festivals Musik's war ein voller Erfolg.
- Von Lars Mader

Herner_Kreuz_SCHLUPKOTHENER_FESTIVAL

Schier unglaublich, was vor der Kulturkathedrale geboten wurde. Die zweite Ausgabe des Schlupkothener Festivals Musik's gab ein Muster an exquisiter Festorganisation ab. Sogar den Sound mischt man dort neuerdings per Tablet-Computer direkt von der Bühne AB...

Herner_Kreuz_SCHLUPKOTHENER_FESTIVAL..."Schmeißt den Regen weg!" schlug radikalpragmatisch Sänger Rainer Koslowski - ihm eilt stets sein legendenhaftes Surfen bei 'Herne 3' auf der Neuen Deutschen Welle nach - vor. Stattdessen spannten die fünf Routiniers vom "Herner Kreuz' einen Schutzschleier aus Synthesizern, Rockriffs und wehmutiger Poesie auf. Was sie nicht umbringt, vermusizieren sie stark. Gleich der erster Liedbeitrag bringt die Zauberformel ihrer Melancholie zu Tage: "Hab mich einfach verlaufen in Dir". Es ist das Prinzip des Wundenzeigens, dass hier schön, und wie seit den Achtzigern nicht mehr gehört, aufblühte. Schon Protestbarde Franz Josef Degenhard hatte ja gedichtet: "Aus der Ferne ins Paradies und das liegt irgendwo bei Herne." Mitgerissen von solch entwaffnender Grundehrlichkeit lächelte auch der zerknirschte Bernd Kicinski wieder.

 Soundtrack zum Familientreffen

  27.12.2011 | 17:57 Uhr

Holger Schmoll und Rainer Koslowski

Herne. Die Formation Herner Kreuz lud zum traditionellen Weihnachtskonzert in die Sonne. Ein Besuch.

Wenn es ganz still ist, hört man es vor der Tür der „Sonne“: Dieses leise Rauschen vom Verkehr, das man kaum wahrnimmt, das aber nie verschwindet. Auch nicht an Feiertagen, so wie heute. Nur ein paar Meter von der Gaststätte entfernt trifft die A 43 mit leichtem Linksschwung auf die A 42. Ein paar Autos, schon wird es laut. Vom Rauschen hört man heute nichts. Es ist nicht still. Aus der Sonne dröhnen Herner Kreuz.

Es ist der 26. Dezember, es ist noch Weihnachten, es ist Zeit für die Sonne. Der 26., das ist Herner-Kreuz-Tag. Seit 2009 tritt die Formation zum Abschluss der Festtage in der Sonne auf. Wer will, kann das schon Tradition nennen. „Wir spielen hier immer besonders gerne“, sagt Gitarrist Holger Schmoll, „weil man von den Leuten so getragen wird.“ Die Leute, damit meint Schmoll das Publikum, die Zuhörer, Freunde. Die Sonne ist voll, man kennt sich. Herner Kreuz, der Soundtrack zum Familientreffen.

„Das ist eine Pflicht, hier hinzukommen“, sagt Wolfgang Stoye, einer, für den das Konzert zu Weihnachten gehört wie für andere die Gans. „Man trifft alte Bekannte“, sagt er, „und das, ohne sich abzusprechen. Man weiß einfach, der August spielt hier.“ Der August heißt eigentlich Rainer Koslowski, war Sänger der legendären Herne 3 und ist heute Kopf von Herner Kreuz.

Wenn er singt, kneift er grimmig die Augen zusammen, der Blick kanalisiert sich im Gesang. Manchmal hat er auch die Hand in der Hosentasche, das sieht abgezockt aus, aber er macht das ja auch nicht zum ersten Mal. Der Mann war mal in den Charts. Herner Kreuz ist Koslowski ist Herne 3. Das ist so. Kein Wunder also, dass das Quintett zwei Songs der alten Wegbereiter im Programm hat. Auch wenn die nicht so gut sind, wie manch’ andere Nummer, die die Band irgendwo zwischen Rock und Funk präsentiert. Gehört einfach dazu. So wie Herner Kreuz zu Weihnachten. Und das Rauschen bei Stille. 

 Klas Libuda


Rainer Koslowski mit "Herner Kreuz" auf der Bühne

Wieder in Fahrt

WAZ Herne, 30.11.2009, Ute Eickenbusch

Der ehemalige Frontmann von "Herne 3" hat eine neue Band: "Herner Kreuz" heißt die fünfköpfige Combo aus erfahrenen Musikern der heimischen Rockszene. Am zweiten Weihnachtstag steigt das erste Konzert in der "Sonne". Es gab Zeiten, da fiel ihm keine Zeile mehr ein. Nichts, das Hirn wie leer. Erschöpft die Kreativität eines Vollblutmusikers, dessen erster Hit „Immer wieder aufsteh'n” Herner jenseits der 40 heute noch zum reflexartigen Mitsingen zwingt. Vorbei. Jetzt „explodiert die Birne” wieder, freut sich Rainer Koslowski (56).

Der Frontmann der legendären Lokalmatadoren „Herne 3” steht am zweiten Weihnachtstag mit neuen Musikern auf der Bühne. „Herner Kreuz” nennt sich die fünfköpfige Formation, und wen wundert's, dass für die Premiere kein anderer Ort in Frage kam als die Mutter aller Kneipen: die „Sonne”. 

 Andreas „Zett" Zenker (42), Holger Schmoll (44), Thomas Spickhofen (45) und Hans Joachim „Jockel” Hamann (53) sind die Musiker um Rainer Koslowski, allesamt alte Hasen der Herner Rockszene. Zenker und Schmoll machen seit über 20 Jahren Musik, zuletzt bei „Sinister Urge”, Hamann ist das, was Rainer Koslowski „ein altes Herner Rock'n'Roll-Gesicht” nennt, bekannt vor allem durch die Sixties Revival Band und wie Koslowski 40 Jahre im Geschäft, während Spickhofen eigentlich Cellist ist. 

Männer in den besten Jahren also, voller Tatendrang. „Das passt wunderbar”, schwärmt „August” Koslowski. Die Band gründete sich im Januar und stand im September das erste Mal gemeinsam für eine Demo-CD im Studio. In einem zähen demokratischen Prozess einigte man sich schließlich auf den Namen „Herner Kreuz”: ein Ort, an dem sich Stile begegnen und musikalische Wege kreuzen.  

 „Man tut sich zusammen und spielt”: So einfach läuft das, glaubt man Holger Schmoll. Kein Konzept, kein „Wir wollen klingen wie”, sondern einfach machen . . . Praktisch, dass Schmoll und Zenker nur vier Minuten auseinander wohnen: „Viele Songs sind am Küchentisch entstanden.” Die Texte schreibt Rainer Koslowski. „Nach vorne los”, „Keine Emotion” oder „Nur für dich” heißen sie, „Heimweh” und „Verlaufen”. Gute-Laune-Songs, wie man sie von der Rock-Röhre kennt, aber auch melancholische Lieder („Mein Trakehner-Herz, es brennt / Ich hab Heimweh, so Heimweh / Und der alte Mann, er rennt”). „Aus dem Herz und aus dem Bauch” kommen die Zeilen immer noch, sagt Koslowski, aber den „Hammer rausholen und draufhauen” ist sein Ding nicht mehr. „Die Texte sind besser als bei Herne 3”, ist der Sänger überzeugt: „reifer”, ja geradezu „sophisticated”.  

Nach den Anfängen in einem Herner Bunker, an den sie schaudernd zurückdenken, haben die Musiker in einer Zechenkaue in Recklinghausen jetzt einen Proberaum de luxe gefunden. Dort treffen sie sich einmal in der Woche, mehr ist nicht drin. Denn bis auf Koslowski gehen alle bürgerlichen Berufen nach, sie sind Geograph und Erzieher, Journalist und Krankenwagenfahrer. Knapp 20 Songs mit Zugaben haben sie für den ersten Live-Auftritt am 26. Dezember (20 Uhr) in petto, vor allem „ehrlichen” Rock, aber auch vor Bossanova, Country und Folk schreckt die Band nicht zurück. Nur eins wollen die fünf Kreuz-Buben auf keinen Fall: klingen wie „ein Neuaufguss von Herne 3”. Karten gibt es ab Anfang Dezember in der „Sonne”, Shamrockstraße 121.